Heute in der U-Bahn, dem G’sindelcontainer, wie sie von Jugendlichen getauft wurde, habe ich einem höchst interessanten Gespräch gelauscht und es verbotenerweise aufgenommen.

Sie war zugestöpselt, hatte eine Abschleppöse in der Nase und blonde Amateurlocken. Sie sprach mit ihrem Backup-friend; so heißen diejenigen in der jugendlichen Subkultursprache, die man anruft, wenn der eigentliche Freund keine Zeit hat. Es war eins von diesen Wohnzimmergesprächen, wie man sie seit Erfindung des mobilen Telefons überall mithören kann; diesmal aber aus einem mir seit der Pensionierung fremd gewordenen, aber trotzdem noch immer vertrautem Biotop.  Ich war sicher einer der ganz wenigen Fahrgäste, die diesem Gespräch folgen konnten, da ich mir eine Woche vorher das Wörterbuch der Jugendsprache 2017 zuschicken habe lassen. Mit seiner Hilfe ist mir eine Transkription gelungen. Es ging um Schule, Mitschüler, Noten und Lehrerinnen. Da ich selbst einmal Lehrer war, haben mich natürlich die Passagen über die Schlaftabletten und Kreidekratzer aus dem Rotstiftmilieu, wie sie von ihr liebevoll benannt wurden, besonders interessiert:

Ach, du heilige Marmelade! Oba so was von aufbitcht. Richtig aufg’supert. … Des is jetzn oba deep. Clerasiltestgelände. Ihr G’sicht? De woa in kan Bitschburner. Voll atlantopisch. Des amselt ma von di Dächer;  die muass in da Änderungsfleischerei g’wes‘n sein, so wie die ausschaut. Deeper shit. Von eanare Klamotten, die wos anhot, kriegst Augenkrebs. Di is voll der Burner. Unlängst hot sie uns in Teams einteilt. Do hob i zum Muraki g’sogt… den Muraki, den kennst net? Des Cornetto, erinnerst di? Den homma scho im Kinderknast g’rollt. Irgendwann mach ich ihn Messer. Der, der mir imma auf die Depf schaut. Hast ihn jetzt? Mit dem und dem andern, der imma so viel Flatrate labert, der Meganer. Jo, der zua Lehrerin g’sogt hot und des im schönsten Kanaksprech: Ich weiß, ich bin faul und ich liege dazu. Da hot’s g’schaut, die Kartoschka. Aber orale Spasmen hot’s kane kriegt. Waß’t, wos g’sogt hot? Bist auf Krise? Und dann vui auf Deutsch: Dein IQ ist kleiner als mein Absatz und ich trage Ballerina. Auf welchem Klo sie den Spruch g’les’n hot? Geilo meilo. Auf jeden Fall wollt’s, dass wir a Teamwork san, des Cornetto und der Meganer und i. Waßt wos? Hob i zu eana g’sogt. I bin’s Team und ihr seid’s es work. Teamwork. Des is Gerhirnfasching. Hob beim Test vui eing’fleckt. Wos? Du wülst scho abpixeln. Jetzt woat. HDGDL: Hab dich ganz doll lieb. Host scho g’hört? Da Brudikovsky is bei Emogrün über die Stroß’n gangen. Wos und… Er woa auf’m Weg in di Hallelujagarage. Jo, in di Kirch’n. Jetz is a im Spital. I hätt’n net defreinden soll’n. Do woa i düdü. Des is der, der des Notenschema neu erfunden hot: 4 is bestanden, bestanden is gut und gut is fast schon eins. Lolig, sog i dir. Waßt, wos da Lehra zu eam g’sog’t hot? Der mit der Pornobrill’n und der Poppelbremse mit dem Pädoblick.  Brot kann schimmeln. Was kannst du? Vom ganz’n Rotstiftmilieu is er der einzige, den’s olle mögen. Kein Erklärbär. A Senpai. Aner, der Tacheles red’t mit dir. Alter, du hast voll Skill gezeigt, kann der sog’n. Ein richtiger Babo. Dem kann kaner Bienenkotze aufs Brot schmier’n. Setz di hin, sunst stehst gleich! So red#t der mit dir. Geilo meilo. Oda: Halt’s Brotloch! Bei dem kriegen die Edelprimaten des Eierflattern. Bist no dran? Du, I muss aufhör’n, Spassi. Bleib cremig. Du waß’t, wia’r is ma‘n. Da kommt der Terminator. Da Schwarzkappler. Scheiße. Net unbedingt mei Dude. AFK (away from keyboard)

Fiktiver Dialog zwischen Jugendlichen aus dem Wörterbuch der Jugendsprache 2017 mit regionaler Einfärbung;