rastriermaschineWas tut oder tat ein Rastrierer? Der Duden übersetzt dieses historische Berufsbild mit Notenstechen oder Notenlinien mit dem Rastral ziehen. Eine andere Bedeutung fand das Wort auch in der Endmontage von Orgelpfeifen. Heinz Tögel aber, Jahrgang 1939, hat mit seinen Rastriermaschinen keine Notenlinien gezogen. Auf Österreichisch heißt es auch nicht rastrieren, sondern Papier karieren, was der Sache schon näher kommt. Nicht einmal Google kennt den Begriff „Rastriermaschine“ und schlägt mir stattdessen Suchergebnisse für Rasiermaschinen vor. Zum Glück hat mir Herr Tögel, dessen „Schnapsladen“ in der Nähe der Karlskirche in Wien auch im Internet beworben wird, eine Abbildung von seiner Rastrieranstalt mitgegeben, damit ich mir ein Bild machen kann. Die um 18oo angefertigte Maschine ist 6m lang und erlaubt einen doppelseitigen Druck. Er hat meistens in der Nacht im Keller gearbeitet und seine vertikalen und horizontalen Linien auf tausende Papierbögen aufgebracht: Ein ziemlich mühsames Unterfangen, folgt man seinen trockenen Schilderungen. Einzelanfertigungen waren es nach den von Kunden vorgeschlagenen Mustern. Der rüstige Pensionist hat um das Millenium herum diese Tätigkeit eingestellt und beschäftigt sich seither mit Schnäpsen und Mosten (Pl.von Most, schweizerisch Benzin). Wer also etwas übers Rastrieren oder die Zubereitung von Absinth, aber auch etwas über ihn selbst erfahren will, dem oder derjenigen empfehle ich, sich den launigen Beitrag anzuhören.