mutterPflegerin (eine Hünin von Frau) der 24Stundenhilfe inspiziert das für sie eingerichtete Zimmer:

Pflegerin: Viel Buch. Wenig Platz für Kleid. Fernseh gut? Internet für facebook gut? Du mir sagen Passwort, ja? Ich Marianne. Du? Aus Rumänia ich und Mama deine, wie heißen? Wo ist?

Sohn stellt ihr Mama vor, die gerade geschlafen hat: Mama, das ist Frau Marianne aus Rumänien; Frau Marianne, das ist meine Mama.

Und wie heißen Mama?

Mama, sagt Sohn, wie heißt du?

Ja, bist du jetzt schon ganz blöd?, sagt Mutter. Du weißt doch, wie ich heiß.

Ja, schon, sagt Sohn, aber Frau Marianne weiß es noch nicht.

Mama: Marianne? So hat meine Schwester geheißen. (Zu Frau Marianne): Wissen Sie, meine Schwester ist schon vor Jahren gestorben. Bei einem Autounfall. Das war kurz vor Silvester. Ein Betrunkener ist in das Auto hineingefahren. Meine Schwester und ihr Mann….

Pflegerin zu Sohn: Wie soll ich sagen zu deine Mama? Wie heißen?

Sohn übersetzt und brüllt in das rechte Ohr seiner Mutter: Mama, sag ihr, wie du heißt.

Mama zu Sohn: Sie kann alles sagen. Sie kann sagen Anna oder Liese oder Anneliese. Wie sie will. Sie muss nicht Frau sagen.

Sohn: Ja, Mama. Sag ihr das. Ich weiß ja, wie du heißt.

Pflegerin tätschelt Mutters Wange, die das gar nicht mag, und meint, sich an Sohn wendend: Ist liebe Frau, deine Mama und alt wie?

Sohn: Sie wird bald 93 und heißt Anneliese.

Pflegerin: Ich heißen Marianne und du Anneliese. Hallo Frau Anneliese. Ich kommen aus Rumänia. Aus Land von Dracula. Dracula, du wissen? Vampir.

Sohn: Frau Marianne. Sie müssen ganz laut sprechen mit Mama.

Mama unbeeindruckt von Dracula und Vampir, aber trotzdem ängstlich: Von so weit? Auf Besuch?

Pflegerin: Hat Mama deine nix für Ohren? (Dann brüllt sie so laut wie Sohn): Ich nix kommen auf Besuch. Ich hier wohnen und helfen, Frau Anneliese.

Mama zu Sohn: Wo ist die Katze? Hast du die Katze gesehen? Heut Morgen war sie im Kasten. Weißt du, dort, wo die Bettwäsche ist. Sie springt vom Tisch in den Kasten und ich hab Angst, dass wer zumacht und dann…

Sohn: Mama, die Katze ist in Sicherheit. Hab sie im Garten gesehen, aber das ist Frau Marianne aus Rumänien, die wie ausgemacht, gekommen ist, dir im Alltag zu helfen.

Mama mit T-Shirt (Aufschrift:Be yourself!): Ach so. Sie kommen aus Rumänien und heißen Marianne, wie meine Schwester und wollen hier wohnen. Ich habe viele Mariannen in meinem Leben gehabt. Meine Schwester hat auch Marianne geheißen und ist …

Pflegerin: Ich kommen aus kleine Dorf in Rumänia. (Sie holt ein Foto aus ihrer Brieftasche.) Das mein Mann, zweiter Mann. Männer nix gut. Schlagen, trinken. Viel trinken und dann schlagen. Alles kaputt machen. Er jetzt mit meine Sohn. Sohn so. Sie zeigt auf die Höhe der Tischkante. Mama schaut Sohn ratlos an.

Sohn übersetzt: Frau Marianne kommt aus einem Dorf in Rumänien. Sie hat einen Mann und einen Sohn, der jetzt 5 Jahre alt sein dürfte.

Pflegerin: Nix 5 Jahre. 15 Jahre. Von erste Mann. Papa und Mama krank. Aorta, Herz, weißt du? Leben 50 km von meine Dorf.

Sohn übersetzt: Mama. Ihr Sohn ist schon 15 und nicht 5 Jahre alt. Ihre Eltern sind krank.

Mama: Soso. Krank. Ja, alt werden ist nicht schön.  Nix für Feiglinge, hat einer gesagt, der es g’wusst hat. Wer war das schnell? Weißt du, wer das war?

Sohn: Ich glaube, ein Schauspieler.

Pflegerin: Liebe Mama du haben. Und viel wissen. Viel Buch, viel wissen. Ich nix Zeit für Buch. Ich arbeiten. Jetzt ich dick, weil immer mit alte Frauen. Deine Mama Rollator? Rollestuhl auch nix? Nix mehr rausgehen? Und du? Du haben Frau?…. Aha. Manchmal Männer  gut. Du gut Mann.

Sohn: Danke. Frau Marianne. Ich zeige Ihnen jetzt Küche und Bad, ja?

Pflegerin: Was gewesen, Mama deine, früher? Krankenschwester. Gute Beruf. Ich Köchin.

Sohn: Mama, Frau Marianne ist Köchin gewesen. Da wird es dir aber gut gehen.

Mama: Ich muss abnehmen. Meine Mutter war gute Köchin.
(Mutter wechselt ohne Übergang in die etwas reduzierte Sprache von Frau Marianne aus Rumänia.) Aus Böhmen gekommen, meine Mama. In Böhmen gute Küche. Ich auch viel gekocht. Früher. Jetzt geht nicht mehr.

Sohn: Du musst doch nicht abnehmen, Mama. Alle Kleider sind dir schon zu groß.

Pflegerin lacht: Du nix abnehmen. Ich abnehmen. Schau. (Zeigt auf ihren Bauch)…Mann kann essen alles. Kann Bauch haben. Frau nicht. Du jetzt aufstehn! (geht in die Küche)

Mama schaut Sohn an: Warum soll ich jetzt aufstehn? (Mutter bleibt liegen, Nachsatz:) Hab ja schon mal eine Diktatur überlebt.

Fortsetzung folgt (vielleicht)