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Ein Ich träumt sich als Kublai Khan –
ein andres sich als Untertan.
Das geht nicht gut,
fürchtet ein Drittes:
Das bin ich, und ich, ich bitt es,
sich in den Traum nicht einzumischen;
wie könnt‘ ich sonst im Trüben fischen…
drum fang ich besser noch mal an:

Ein Ich träumt sich als Kublai Khan,
der schläft und schlafend sich erfindet
als Kaiser, der in einem Bild von sich,
sich auflöst und verschwindet…

Laotse im selben Traum
– auch er geistert durch weißen Raum –
trifft ihn als Mönch verkleidet,
weil er im Fliegenleben dieser Nacht,
die keinen Morgen leidet,
hofft, dass so der Tod ihn meidet…

„Solange wir nicht aufgewacht“,
sagt Laotse zum Khan,
„muss keiner von uns sterben;
solange er uns träumt, mein Khan,
als Kaiser oder Untertan,
droht uns kein Verderben.
Lasst ihn eine Weile schlafen!
Wer schläft, kann niemand Lügen strafen!“

Laotse hat’s kaum gedacht,
– weiß nicht, wo ich’s gelesen -,
war der Kaiser aufgewacht
im Traum, wo er der
Khan und auch der Untertan
und selbst Laotse gewesen.