taucher5Auf einer Wiese in einem der städtischen Bäder liegend, wo sich im Schatten der wenigen Bäume alle auf Hörweite niederlassen, gibt es keine Möglichkeit, den Telefonaten oder geführten Diskursen zwischen den Badegästen zu entkommen. Eben hat sich ein Vater mit seinem  Sohn ein Fleckchen gesucht. Der Sohn ist braungebrannt und hat lange braunblonde Haare. Er ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht in der Pubertät. Noch während sie sich umziehen, beginnt zwischen den beiden ein drehbuchreifes Gespräch, das ich gleich aus dem Gedächtnis zu protokollieren versuchte. Außerdem hat es mich an „Papa, Charly hat gesagt…“, das mit über 600 Folgen einmal eine der erfolgreichsten deutschen Hörspielreihen war, erinnert. Neben anderen war übrigens mein Vater, Heinz Hostnig, Regisseur dieser Hörspielserie.

Sohn:    Du, Papi, der Mann hat gesagt, dass es dort eine Taucherschule gibt;  auch für Kinder´.
Vater:   So, hat der Mann das gesagt. Hat er dir auch gesagt, dass es dort Terroristen gibt, die im Namen des Herrn morden?
Sohn:    Aber der Mann hat gesagt, dass es am Land und dort, wo Touristen sind, gar nicht gefährlich ist.
Vater:   Hat der Mann dir auch gesagt, was an einem Strand in Lybien passiert ist?
Sohn:    Aber Papi, ich will ja nicht nach Lybien. Der Mann hat gesagt, dass …
Vater:   Schluss jetzt: Wir fahren in kein Land, wo es Terroristen gibt, die im Namen des Herrn…
Sohn:    Der Mann hat gesagt, dass es dort ein Aquarium gibt; ein riesengroßes Aquarium mit Fischen drin, die drei Meter lang sind.
Vater:   Da übertreibt er aber, der Mann. Er dürfte auch nicht gut informiert sein über das, was in den islamischen Ländern gerade passiert, wo Terroristen im Namen des Herrn…
Sohn:    Aber Papi, der Mann hat gesagt, dass uns hier alle Angst machen, damit wir dort nicht mehr hinfahren. Auch vor den Flüchtlingen sollen wir uns fürchten. Dabei tun die doch gar nichts, hat er gesagt.
Vater:   Wer ist eigentlich dieser Mann, von dem du da dauernd redest?
Sohn:    Wenn ich das sage, wirst du mich gleich wieder schimpfen.
Vater:   Doch nicht etwa der Onkel Rudi.
Sohn schweigt
Vater:   Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst nicht alles glauben, was der Onkel Rudi daherredet, wenn der Tag lang ist. Dein Onkel Rudi hat keine Kinder und weiß nichts von Verantwortung.
Sohn:    Aber Papi, meine Lehrerin hat selber auch keine Kinder. Und du selber hast einmal gesagt, dass das ein ganz schön verantwortungsvoller Beruf ist, Lehrersein. Du könntest das nicht, hast du gesagt.
Vater:   Du meine Güte. Was du dir nicht alles merkst. Der Onkel Rudi jedenfalls, der hat  nichts als Flausen im Kopf. Ich werde ein ernstes Wörtchen mit ihm reden müssen.
Sohn:    Der Onkel Rudi hat gesagt, dass es dort eine Taucherschule sogar für Kinder gibt.
Vater:   Jetzt hör endlich auf, mit deinem „der Mann, der Onkel Rudi hat gesagt.“ Vergiss es! Wir fahren dort nicht hin, solange dort Terroristen im Namen des Herrn…
Sohn:    Aber der Onkel Rudi ist doch dein Bruder und ich mag ihn und er hat gesagt, dass es dort ein  riesengroßes Aquarium gibt, mit riesengroßen Fischen drin und großen Steinen, und jeden Tag muss ein Taucher die Steine mit einer Zahnbürste reinigen. Das hat er mit eigenen Augen gesehen, der Onkel Rudi. Und es waren auch keine Terroristen dort, hat er gesagt.
Vater:   Du nervst. Und zwar gewaltig. Geh schwimmen und lass mich in Ruhe!
Sohn steht auf und trabt beleidigt davon.