böseEr starrte vor sich hin. Würde ihn jemand fragen, was er sieht, wüsste er es zu sagen. Vielleicht aber unterstelle ich ihm das. Ich könnte ihn ja fragen, was er sieht oder denkt, wenn er so wie jetzt dasitzt und vor sich hinstarrt.

Ja, du hast recht, könnte er sagen. Für einen wie du sieht es aus, als würde ich einfach nur dasitzen und vor mich hinstarren. Aber dem ist nicht so. Ganz und gar nicht.

Für einen wie du. Wen meinst du damit? Etwa mich? Willst du mich beleidigen? So könnte ich antworten, aber ich tu es nicht. Ich sage, um ihn versöhnlicher zu stimmen und ihn rechtzeitig aus seinem Tagtraum zu retten, der – , weil ich ihn zu kennen glaube – keine Zukunft vorwegnimmt, um sich mit ihr anzufreunden, sondern droht, im Stillstand einer nicht mehr zu verändernden Vergangenheit zu verharren: Mich interessiert, was dir durch den Kopf geht. Vielleicht reagierst du jetzt unwirsch und sagst: Lass mich in Ruhe! Das geht dich nichts an. Das würde mich aber sehr kränken, weil – so eine Frage wird doch noch erlaubt sein -, … dein Schweigen beunruhigt mich einfach. Kannst du das nicht verstehen?

Kannst du mich nicht endlich in Ruhe lassen?, höre ich ihn antworten oder glaube zumindest, dies gehört zu haben. Jedenfalls sagen mir sein wütender Blick und seine Stimme, dass er aufs äußerste gereizt ist. Vielleicht sollte ich jetzt aufgeben, weil er wütend geworden ist und gar nicht mehr so einfach dasitzen und vor sich hinstarren kann. Für einen Augenblick wusste ich ja, was oder wen er gesehen und gehört hat: Mich nämlich, der jetzt zu ihm sagt: Hast ja recht; was geht mich das an, aber warum musst du gleich so wütend werden? Ich frage ja nur, weil mir an dir liegt. Außerdem habe ich es nicht verdient, dass du mich so anschreist. Ich will doch nur wissen, was du denkst; du bist so abwesend und das schon eine ganze Weile.

Wütend, gereizt, abwesend… Was alles willst du mir noch unterstellen? Du kannst mir am Zeug flicken, so viel du willst, du wirst mich nicht aus der Ruhe bringen. Dir gefällt mein Schweigen nicht? Kann ich mir denken. Kann mir denken, warum. Schuld bist du. Du ganz allein.

Ich werde ihn reden lassen, beschließe ich, und wieder meinen Schlitten ziehen über das weiße Land.  Er ist schwer und seine in dicke Pelze gehüllte Last macht mir zu schaffen. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass er ausrastet. Zu viel hat sich angestaut; ich will nichts abstreiten, beschönigen, rechtfertigen, auch einen Schuldigen suchen nicht und ins Passiv fliehen: „Es wurden Fehler gemacht.“ Ich stehe dazu: Ich habe Fehler gemacht, aber ich lasse mich nicht für alles verantwortlich machen… Ich habe schon damals gesagt: Wir müssen das Scheitern mitdenken… Nein, hast du geantwortet, wir dürfen nicht scheitern. Nicht einmal dran denken.

Aus dem gedachten Dialog ausbrechend, den er mit samt den Bildern abrufen kann, on demand sozusagen, frage ich ihn jetzt wirklich mit ebenfalls gereiztem Ton in meiner Stimme: Wolltest du nicht gehen?

Jetzt habe ich ihn so weit. Ich weiß es. Jetzt wird er aufspringen, mich anschauen und schreien: Du weißt, dass ich nicht gehen kann.  Schützt Interesse vor an dem, was ich sehe oder denke,  und gehst so weit zu behaupten, dass dir an mir liegt. In Wirklichkeit willst du mich los sein; gib’s zu!

Er tut und sagt genau das, weil wir mit einer Stimme sprechen; manchmal aber, weil es einfach Spaß macht, unterhalten wir uns mit gespaltenen Zungen und spinnen erfundene Wortwechsel. Immer dann, wenn wir dasitzen und in eine vermeintliche Leere starren, ich und mein alter Ego.