jugendsprache
GLÖKEN: Fiktiver und zugegebenermaßen konstruierter Dialog zwischen Jugendlichen aus dem Wörterbuch der Jugendsprache 2011 mit regionaler Einfärbung;

Jugendsprache bricht alle Tabus; ist frech, diskriminierend, sexistisch, politisch unkorrekt und nicht gerade zimperlich, wenn es im Umgang mit Benachteiligungen jeder Art um das „Aufsupern“ der deutschen Sprache geht. Andererseits zeigt das jedes Jahr von Pons neu aufgelegte Wörterbuch der Jugendsprache, wie bildhaft sie ist und wie kreativ die Jugendlichen mit Sprache umgehen. Natürlich kreisen die meisten Wortschöpfungen um das, was Jugend in der Pubertät umtreibt: Flirten, Schule, Sexualität, Drogen, Alkohol und Party. Es geht ums Ausloten von Grenzen: Um Grenzziehung, Abgrenzung und Ausgrenzung. Kaum sind die bildhaften Worterfindungen im Mainstream angekommen, sind sie unter den Jugendlichen auch schon wieder out; und wer sie trotzdem verwendet, hat’s verschlafen und ist uncool. Jugendsprache ist dynamischer als die Hochsprache und ein Spiegel für die Befindlichkeit derer, die mit ihr kommunizieren.

Jugendlicher 1: Wo woarst denn gestern, Bro?

Jugendlicher 2: In da Schicht, Mensch, Oida, wo sunst sul i g’wes’n sein? In der Drei b hob i ane g‘sehn, zuatackert war‘s bis hinter di Uhr‘n, sogoar a Zungenkugel hat‘s ghabt, a richtig‘s Wookie; Wöd, sog i da, ka Wonnabe, voll Titte…

Jugendlicher 1: Du manst, kane Zehentanger, richtige Spargelstecher, direkt aus‘m Soli,  a Schokoriegel, voll smexy,    manst de mit’m Frittennetz…?

Jugendlicher 2: Genau. Schoaf wiar Mautnersenf, wenns’t waßt, was i man Schlauchbootlippen zum Züngeln, de Augenbrauen zupft, ka Toupiertussi im Emostyle.  „Hey Sis, Wohin mit deinem Arsch, Smekma“, hob i ang‘fangt             smirten und check mia den Sack.

Jugendlicher 1: Und? Wos hot’s g’sogt?

Jugendlicher 2: Blas mir den Schuh auf, du Schmonko mit deiner Schnellscheißerhose, hot’s g‘sogt. Scheibenglotzer, was büld’st da ein, du Wachstumsverweigerer. I hob kan Turn jetztn, du Ranzrattn. Geh spiel’n, Flachlutscher!

Jugendlicher 1: Und des host da g’foll’n loss’n?

Jugendlicher 2: Des hot ganz schön g‘schockt, kann i da flüstern. Wollt nur mit ihr reden und net reinlunzen, Steine sammeln, an klaner Tschikfick; und dann mitten in da Stund‘ krieg i an  Schulorgasmus, Vibrationsalarm bei mei‘m Handy; hob eahm auf de Box geb’n. Wülst es hearn? Hot goa nimma aufghört, da  Krochapepi.

Jugendlicher 3:Hey Schischko, was geht ab Mann? Kannst telen oder bist no in da Lernvollzugsanstalt? Hast Muffensausen, dass’d an Einlauf kriegst vom Lehra. Na, von dem mit’m Gesichtsfünfer, die Blockflötenfresse mit der Blutgruppe Nutella? I hob glaubt, du bist in der Freiheit und net in da Schicht. Mochst no imma die Grundschulmatura? Malaga? Hahaha. Bist no dran?

Jugendlicher 1:Immer voll der Plastikgangsta, da Krochapepi.

Jugendlicher 2:Des gestern, des wor echt pornös, sog i da. Des hot geigt. Zerst beim Hecknschneider, dann bronz‘n im Prolotoaster, dann Leinwandglubschen: a Gefühlskitzler. Dann schnell a Mafiatorten im Frittenbunker beim Mecces, bei der U2, waßt eh.  Dann in Lautraum, im Fummelbunker. Geilo, voll lollig, kann i da sog‘n. Kommt so a Kukidentler mit Komaatem auf mi zube, a richtiga Komposti und sogt: Für di ist ka Bild dabei, du Fruchtzwerg. Glaubt,  i wül eahm die Schnecken ausspannen. Check die Wurst, Oida, willst der Chocker sein?, sog i. Du friedhofblonds Freibierg’sicht, sog i zu eahm, geh Flatrate sauf‘n und loss mi in Ruh. Da kummt so a Discoblitzer, blickfickt mich und sogt: Host wohl dicke Eier! Bleib bloß mal cremig, du Bonsaikeimling. Blabilub, blabilub. Ihre Abschlepp-Öse in der Nasen war ziemlich abtörn. A BMW: A Brett mit Warzen. Hot trotzdem bombä ausgschaut, aber pumpzua wors, des Bunny. Peace, sog i. Wül di net dissen. Wos haßt des?, frogt sie mi. Wos des haßt?, sog i. Schau noch im Doodle. Frog den Inder, sog i, da kommt ihre Freundin, a farbg‘lippte Dramaqueen, ziemlich eindieselt, schiebt an Film und frogt: Wer dönert hier rum in der Disse? Jetzt waren‘s zu dritt. Do hob i des Eierflattern krieagt und mi auf‘n Güllebunker vertschüsst, mein Elvis pressen.  Fuck die Henne, hob i zu mir g’sogt. Besser, i moch die Flieg‘n und hau mi über die Häusa. Raus aus‘m Fummelbunker mit lauter gamsigen Gabbern, futzdummen Furzklemmen, granatengeilen Gheddokindern, gebirdeten Gaylords und hamsterharten Hardcore-Hasis; nix wie weg, bevor i a Gesichtstuning krieg. I nimm meine Gichtsensen,  mach Latte zum Lumpensammler, … wieda amol 20 Euronen vergriecht. (Vorwegnahme der Jugendsprache 2015, Anmerkung des Autors)