costa_cathedrais (5)Entlang gut geteerter Straßen, gesäumt von Pinien- und Eukalyptuswäldern, gelangen wir über Ferrol, der Geburtstadt des 1974 friedlich verstorbenen Diktators Franco, nach Ribadeo. Die Stadt an der Trichtermündung des Eo hat schon bessere Zeiten gesehen. Aus dem ehemaligen Haupthafen Kantabriens, hart an der Grenze zu Asturien, in welchem die Schiffe voll beladen mit Holz aus dem Baltikum anlegten und noch früher Schiffe der spanischen Armada in See stachen, ist eine kleine Marina für Segelschiffe und Yachten geworden. Neben Befestigungsanlagen, die den Hafen vor Piraten schützten, Kirchen und Kloster aus dem 11. Jahrhundert, sind es vor allem Bauten im neoklassizistischen Stil, die an die Zeit erinnern, in welcher Ribadeo mit Hilfe von zu Geld gekommenen einstigen Südamerika-Emigranten noch einmal eine späte costa_cathedrais (46)Blüte erlebte. Heute lockt es wegen der maritimen Atmosphäre Touristen an, die von der Stadt aus lange Spaziergänge in die Reservate an den Küsten unternehmen. Auffallend die vielen, oft archaisch anmutenden Hórreos, traditionelle Getreidespeicher, die wegen der hohen Luftfeuchtigkeit auf Stelzen errichtet wurden, heute aber nur noch selten als solche benutzt werden.
Was, als wir ankommen, allerdings so malerisch an dieser Stadt Ribadeo sein soll, wie der Nordspanien-Guide von Dorling Kinderslay unterstellt, der sich überhaupt mit Superlativen nicht zurück hält, will sich uns hier nicht so wirklich erschließen. Außerdem hat sich heute Schnee in den Regen gemischt, und die Nachrichten sind voll panischer Berichte über Schneechaos auf den Straßen in Regionen Spaniens, die noch selten bis nie Schnee gesehen zu haben scheinen.
costa_cathedrais (49)Aber in Ribadeo gewesen zu sein, ohne der Praia das Catedrais einen Besuch abgestattet zu haben, könnten wir uns wohl nicht verzeihen. Also warten wir die Ebbe ab, mieten ein Taxi und fahren mitten im Schneeregen, dem die Scheibenwischer kaum mehr nachkommen, hinaus an die Küste. Dort – erzählt uns der Taxifahrer, mit dem ich aufgrund meiner Spanischkenntnisse kommunizieren kann – hätten wir wenigstens den Strand für uns, denn im Sommer sei mit bis zu zehntausend Besuchern an Wochenenden kein Fortkommen. Bei Sturmfluten könne es außerdem vorkommen, dass die aus den Gewalten des Meeres mit der Geduld der Zeit bis zu 30 Meter hoch aufgeschichteten Schieferdome überspült werden. Just in dem Augenblick als wir ankommen und schon gefürchtet haben, dass wir diese spektakulären Naturphänomene nicht einmal vom Fenster des Taxis aus zu Gesicht bekommen, klart der Himmel auf, der mit der wild aufgepeitschten See und den Domfelsen an düstere Gemälde El Grecos erinnert.

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Mit den Füßen im Sand und den Augen im Himmel wandern wir wie in einem überdimensionalem Kirchenschiff zwischen den Stützpfeilern aus glänzenden Schieferplatten den Strand entlang, bis ein Weitergehen mit Schuhen wegen der hereinbrechenden Wellen nicht mehr möglich ist. Endlich Galicia, wie ich es mir vorgestellt hatte.