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Nach der pulsierenden Metropole Berlin erlebt man Stockholm als eine Stadt, in der es geradezu gemächlich zugeht. Das hat sicher auch mit der Citymaut zu tun, die mit  Ausbau der Radwege und einem innerstädtischen Nationalpark die Hauptstadt Skandinaviens zu einer der umweltgerechtesten Städte Europas macht. Noch einmal mit Berlin vergleichend, nichts Anarchisches, keine Graffitis auf Häusermauern, Schleusen und Drehtüren, die die Verkehrsströme der Menschen regulieren, keine Stadt für Raucher und noch weniger für solche, die sich dem Alkgenuss hingeben wollen, da solches Gebräu sauteuer ist.  So schön wie fast schon langweilig, wenn man lange Weile positiv besetzt. Übrigens wirdbeinahe alles bargeldlos bezahlt, und für Pensionäre gibt es zumindest für Bus, Bahn und Metro Ermäßigungen.

P1130512Von einem preisgünstigen und empfehlenswerten B&B aus, das straßenseitig gelegen zwar schlafraubend ist, aber dies mit Frühstück auf einer Dachterrasse wettmacht, unternehmen wir Streifzüge in die Stadt, die auf 14 Inseln mit 57 Brücken gebaut, als Venedig des Nordens gilt. Schnell stellen wir fest, dass es vor allem die lauen Sommerabende sind, welche die hochgiebeligen Häuserfronten in ein warmes Orange tauchen und die Menschen auf die Flaniermeilen, unzähligen Straßencafes und auf Parkwiesen locken, wo beim Picknicken, Schlemmen und Shoppen bis in die späten Abendstunden – viel länger als in Mitteleuropa – noch die letzten Strahlen der Sonne ausgekostet werden. Von solchen Sommerabenden hat schon Theodor Fontane geschwärmt.

P1130511Natürlich darf ein Ausflug auf die Schären – einer der 24 000 vorgelagerten Inseln – nicht fehlen, auf denen viele Bewohner der Zweimillionenstadt ihre Sommerhäuser haben. Tatort vieler Krimis,  welche die abgründige Seite der nach außen hin so friedlichen Fassade dieser very british anmutenden Landschaften und ihrer Bewohner thematisieren. Wer kennt sie nicht die vielfach verfilmten Kriminalromane von Mankell, Hakan Nesser, Lars Kepler oder die Trilogie von Stieg Larsson, die dem Leser ein ganz anderes Schweden zeigen, das mit dem Musterland des ehemaligen Wohlfahrtsstaates wenig gemein hat. Die Schere zwischen arm und reich ist mittlerweile so groß, dass man schon von Segregation spricht. Das alles mag nicht recht passen zu dem Bild, das viele von Schweden haben. Jene, die nur Astrid Lindgren kennen, die falunroten Häuser, die Elche, Bullerbü. Auch hier gibt es Viertel an der Peripherie, in denen die urbanen Dropouts, die meisten mit  Migrationshintergrund – wie in anderen Metropolen Europas – ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft ihrem Frust durch Krawalle Luft machen  wie zuletzt im Mai 2013.

P1130506Nach einem Spaziergang entlang der vom Jugendstil geprägten Prachtbauten der Promenade von Strandvägen, von der  aus die Fähren auf die Schären ablegen (ungewolltes Reimpaar), führt uns der Weg in den Naturpark Djurgarden. Ganz in der Nähe befindet sich der älteste Lunapark Schwedens und das Museum, welches das kurz nach dem Stapellauf gesunkene und 300 Jahre später aus dem Sund geborgene Regalschiff Wasa in voller Pracht zeigt. Zurück in Hornsgatan genießen wir den Blick von den Klippen der Södermalm auf die Altstadt Gamla stan in der untergehenden Abendsonne. Morgen weiter. Noch höher hinauf in den Norden. Nach Umea. Derzeit Kulturhauptstadt gleichzeitig mit der Schwesterstadt Riga auf der anderen Seite der Ostsee und des bottnischen Meerbusens.