P1130153Als ich gestern in Athen ankam, wusste ich noch nicht, dass ich noch am selben Abend an einer Demonstration der Medienschaffenden Griechenlands teilnehmen würde, welche an den Jahrestag der Räumung des staatlichen TV- und Radiosenders ERT erinnerte, an den Tag, als das erste Mal von einer zivilen Regierung im Europa der Nachkriegszeit die Abschaltung eines staatlichen Medienbetriebes angeordnet und der Schirm schwarz wurde. Die Manifestation sollte daran erinnern, dass trotz Wiederaufnahme eines nun NERIT getauften Senders seit Mai 2014 noch immer über 2000 ehemalige Mitarbeiter keinen Job gefunden haben. NERIT (ΝΕΡΙΤ) steht für Neues Griechisches Radio, Internet und Fernsehen (Νέα Ελληνική Ραδιοφωνία, Ίντερνετ και Τηλεόραση).

P1130172Hinter der Rednertribüne ist das Gebäude, in welchem in winzigen Büroräumen frei gesetzte Journalisten seit der Schließung und polizeilichen Räumung  eine Art Piratensender mit  Protestprogramm wenigstens auf Internetbasis aufrecht zu erhalten versuchen. Gegenüber das nun in NERIT umgetaufte Gebäude des staatlichen TV- und Radiosenders, das nun lediglich 700 der 3000 auf die Straße gesetzten Journalisten und Techniker wieder beschäftigt und die Medienschaffenden in zwei Lager teilt. Wie ich mir übersetzen ließ, riefen die Redner – unter ihnen der Oppositionsführer Alexis Tsipras – zu einem Boykott von NERIT auf, und forderten  die Wiedereinstellung der von Samaras in einer Nacht- und Nebelaktion brotlos gewordenen Medienschaffenden des ERT, der mittlerweile zum Symbol des Widerstandes mit Vorbildcharakter gegen die Austeritätspolitik von seiten des IWF und der Troika geworden ist.  „Jede Schule, jedes Krankenhaus, das von Schließung bedroht P1130171ist, jedes öffentliche Unternehmen, das von Privatisierung bedroht ist, jede „Reform“ des öffentlichen Dienstes – sie alle haben jetzt ein „Widerstandsmodell“, an dem sie sich orientieren können,“  meint auch Aglaia Kiritsi, ehemalige Angestellte von ERT, die im November letzten Jahres mitten auf der Straße eine Livesendung moderiert hat und mittlerweile zum Gesicht des Widerstandes geworden ist.

Mein Anliegen ist und wird es sein – während meines kurzen Aufenthaltes hier in Athen, so viel wie möglich über die verschiedenen Bewegungen zu erfahren, die sich als außerparlamentarischer Widerstand organisiert haben , um den unheilvollen und für die Bevölkerung unerträglichen Austeritätsmaßnahmen von Troika und IWF mit Alternativen zu begegnen.

Empfehlung: http://www.islinke.de/ert.htm