apfelgeschichte_collage (1280 x 1024)Äpfel fallen nicht weit vom Stammbaum der Erkenntnis. Sie fielen von den Bäumen, bis Newton das Gesetz der Schwerkraft an ihnen entdeckte. Heute tun sie es, uns an diese Denkwürdigkeit zu erinnern. Als Eva es nicht erwarten konnte, bis einer fiel, und einen rotbackigen, besonders saftigen, einen Schöner aus Boskoop, einem Dorf in den Niederlanden, das zu diesen Zeiten zum Paradies gehörte, vom Baum pflückte, traf sie der Stechapfelblick des Gärtners. ER hatte diesen Baum gepflanzt. Als Versuchsanordnung sozusagen, um heraus zu finden, ob die von ihm geschaffenen Kreaturen auch die von ihm erlassenen Gesetze, d.h. Verbote selbst dann einhielten, wenn sie in Versuchung geführt würden, sie zu übertreten. Eva, die IHM nicht so hörig war wie ihr Mann, hatte zwar anfänglich auch ihre Bedenken, ein Wurm aber, der dem rotbackigen Apfel schon längst entschlüpft und zu einer Schlange herangewachsen war, zerstreute diese. Was dann folgte, ist bekannt: Eva wollte sich mit der Redensart verteidigen „Wen der Apfel anlacht, der kostet ihn auch!“, aber es half alles nichts. Der Gärtner blieb hart. Sie und ihr Mann wurden aus dem Paradies vertrieben. Sie verstehen bis heute nicht, warum. Nicht einmal der Vatikan gewährt ihnen Asyl. Als sie später gefragt wurden, wie lange sie im Paradies waren, antwortete Adam mürrisch: Bis die Äpfel reif waren. Er hätte es seiner Gattin verbieten wollen, aber die hat wieder einmal ihren Kopf durchsetzen müssen, hat er hinzugefügt. Das war feig, weil ja auch er sich verführen hat lassen, statt Eva zu warnen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Dabei musste er zugeben, dass er nicht gerne allein im Paradies geblieben wäre. Das tat er auch, aber nur hinter vorgehaltener Hand. Jedenfalls wurde die ganze Schuld der Frau angelastet, dass wir seither arbeiten müssen und uns die gebratenen Tauben nicht mehr in den Mund fliegen, das Böse in die Welt kam, und um diesen Preis die Langeweile vertrieb, die im Paradies geherrscht hatte.

Äpfel waren also schon vor langer, langer Zeit als süßes Gift verschrieen. Nicht zu Unrecht, hat ein Apfel sogar den trojanischen Krieg ausgelöst. Und das alles, weil ein Brautpaar bei der Erstellung der Gästeliste jemanden vergessen hat. Wie wir ja auch aus anderen Geschichten wissen, mit fatalen Folgen. Die Frau nämlich, die nicht eingeladen war, erschien trotzdem und warf mit den Worten: „Für die Schönste!“ einen goldenen Apfel unter die Gästinnen. Was dann geschah? Was wohl: Ein Streit brach aus, und ein junger Mann sollte ihn schlichten. Jede der drei Auserwählten versprach ihm etwas anderes: Heldentum, Herrschaft über die Erde oder die schönste und damals begehrenswerteste Frau.  Was tut der junge Mann, so in Verlegenheit gebracht? Er handelt absehbar, überredet Helena zum Ehebruch und entführt sie. So zum Hahnrei gemacht, sammelt der um den Besitz an seiner Frau Betrogene seine Freunde und die Freunde seiner Freunde als Verbündete um sich und zettelt, um ein Exempel zu statuieren, einen Krieg an, der 10 Jahre gedauert haben soll. Auch in diesem Apfel war sozusagen der Wurm drin. Allen angehenden Brauleuten ist daher nur zu empfehlen, dass sie bei der Erstellung der Gästeliste vor allem die nicht vergessen, die sie vergessen hatten.

Noch einmal hat der Apfel in die Weltgeschichte eingegriffen. Diesmal aber bescherte er einem ganzen Volk die Freiheit. Und das kam so: Ein Schweizer, Tell mit Namen, kam einem Österreicher auf einem Hohlweg in die Quere. Die Schweizer konnten die Österreicher nicht riechen, weil sie die schöne Schweiz annektiert und sich ihr Volk untertan gemacht hatten. Jetzt hätte Tell das Haupt neigen und den Österreicher grüßen sollen. Tell aber war ein Schweizer Bauer und so einer beugt sich nicht vor niemand. Weil sie als unbeugsam, aber für ihre Kunst mit Hellebarden und Armbrüsten umzugehen bekannt waren, ließ sich selbst der Papst von einer Schweizer Leibgarde bewachen und tut das, weil sie so fotogen sind, bis heute. Tell also wurde bestraft, und sollte mit seiner Armbrust einen Apfel vom Kopf seines geliebten Erstgeborenen und zukünftigen Erben seines Hofes schießen. Was er auch tat. Der Sohn soll dabei nicht einmal die Augen geschlossen haben. Er hatte aber noch mehr Pfeile im Köcher. Da wussten die Österreicher, dass mit Schweizern nicht zu spaßen ist, und verzogen sich in den anderen Teil der Alpen. Für die Schweizer ist seit damals das Schießen auf Äpfel ein Nationalsport geworden, der aber leider noch nicht in den Kanon der olympischen Sportarten aufgenommen worden ist.

Da soll noch einer behaupten, dass ein Apfel nicht Weltgeschichte schreiben kann. Heute allerdings heißt Apfel apple und wird als Firmenlogo eines Großunternehmens oft nur angebissen gezeigt.