Wie kam es eigentlich zur Entstehung des Würfelzuckers? Eine Frage, die man sich stellen kann, wenn man viel Zeit hat oder Freunde, die zu einem Ausflug nach Südmähren einladen, wo es einen Ort namens Dacice gibt. Der Ort erlangte Berühmtheit , weil dort von einem  gewissen Herrn Rad, der um die Mitte des 19. Jhdts.  die Zuckerfabrik geleitet hat, der Würfelzucker erfunden worden ist. Und das kam so:  „Hergestellt wurde Zucker vor der Erfindung des Würfelzuckers in Form von Hutzucker. Das waren große Stücke Kristallzucker in Kegelform, die nach dem Erkalten der Zuckermasse steinhart waren. Solch ein Zuckerhut kam in Größen bis zu 1,50 m Höhe auf den Markt und war teuer. Wurde Zucker im Haushalt etwa für einen Kaffeeplausch benötigt, waren aus diesem Kegel kleinere Stücke herauszulösen. Man bediente sich dazu eines Werkzeugs, das in Gestalt von Zuckerhammer, Zuckerhacke, Zuckerbrecher oder Zuckerzange angeboten wurde.

Beim Malträtieren der harten Masse traten immer wieder mal Verletzungen an den Händen des Dienstpersonals auf.“
Einmal aber geschah es, dass sich nicht das Dienstpersonal, sondern des Direktors Frau Juliana selbst sich verletzte, weil eines der Dienstmädchen, das für diese Aufgabe eingestellt worden ist, unpässlich war. Mit schmerzverzerrtem Gesicht ging sie  wutschnaubend auf ihren Mann los, bohrte den blutenden Zeigefinger in die Herzseite seiner Westentasche und keifte: Wie kannst du es zulassen, du als Direktor dieser Zuckerfrabrik, dass ich fast den Finger verliere, wenn ich aus dem Zuckerhut ein paar Stückchen für den Kaffee herausbrechen will? 

Zerknirscht machte sich nun der Direktor daran, Verbesserungen vorzunehmen, experimentierte Tage und Wochen, und „überlegte, wie er kleinere Stücke zuwege bringen könnte. Er schuf ein Model aus Blechstreifen, das einer heutigen Schale für Eiswürfel ähnelte. Den Zuckerhut ließ er raspeln. Die winzigen Stücke wurden nun leicht angefeuchtet und in den Model gefüllt. Wenn alles getrocknet war, hatte man nun passablen Würfelzucker. Auf diesen Grundüberlegungen vervollkommnete er seine Würfelzuckerpresse, stellte die ersten Würfelzucker her und schenkte die ersten, rot gefärbt, seiner Frau zur Erinnerung an den Vorfall. Frau Rad hatte die blutbespritzten Zuckerstücke dennoch ihren Gästen angeboten, da Zucker damals sehr wertvoll war. (Kaum zu glauben, aber hier die Quelle) Als Alternative zum gewohnten Hutzucker wurde er vom Handel vertrieben“ und fand als Wiener Würfelzucker auf allen Kontinenten Verbreitung. Verständlich also, wenn Dacice in Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum an dieses Ereignis, aber auch daran erinnern will, dass es wütende Hausfrauen waren, aber ebenso verständnisvolle Ehemänner, denen wir die Fortschritte der industriellen Revolution verdanken.