Böhmisch Kanada, wie das tschechische Grenzgebiet nördlich des Waldviertels des rauen Klimas wegen auch genannt wird, ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern ermöglicht auch eine Zeitreise ins vergangene Jahrhundert. Gleich nach der Grenze, dem einstigen Todesstreifen während der Zeit des Kalten Krieges, fällt auf, dass die Straße zwischen Wien und Prag, auf der in der Zeit der Habsburger die Postkutschen verkehrten,  von kleinen Dörfern und Stätdchen flankiert ist, die eben erst beginnen, wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen. Ein Richtung Krokvice im Wald versteckter jüdischer Friedhof, der von der dort angesiedelten jüdischen Gemeinde Anfang des 18.Jhdts.errichtet worden ist – einer von vier weiteren, die im Umkreis von 30km dort zu finden sind – enthüllt uns mit den zum Teil umgestürzten Grabsteinen ebenso die Geschichte dieser konfliktreichen Region wie der katholische Friedhof mit den aus den Grabsteinen ausgekratzten deutschen Namen in Desna. Nach dem Anschluss wurden nämlich Tschechen und Juden von den mehrheitlich deutschsprechenden Bewohnern der Grenzstädte ins Landesinnere vertrieben. 1945 musste die deutschsprechende Bevölkerung Haus und Hof verlassen. Im Kalten Krieg wurde die Grenze zu Österreich eingezäunt, ein drei km breiter vermienter Streifen angelegt, dem zahlreiche Dörfer zum Opfer fielen. Nicht nur das. Selbst vor Baudenkmälern wurde nicht Halt gemacht. „Das Schloß in Mariz wurde bis auf ein kleines Stück des Mauerwerkes völlig auseinander genommen und als Baumaterialquelle ausgebeutet“. Quelle
Dieser Quelle entnehme ich auch, dass die jahrzehntelang anhaltende Isolierung und Ausdünnung der Bevölkerung zur Folge hat, dass das Gebiet ökologisch unberührt blieb und mit seiner unbelasteten Umwelt heute die besten Voraussetzungen für sanften Tourismus schafft.

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So konnten wir über die denkmalgepflegte Stadtanlage von Slavonice nur staunen, während an anderen Orten (Pisecne) und manchmal mitten in gottverlassenem Gelände Baujuwele dem Zerfall preisgegeben sind.
Niemand würde auf diesem Breitengrad Bürgerhäuser mit Renaissancegiebel und Maßhäuser mit von Frescen geschmückten Kellergewölben und Fassaden vermuten. Wer die spätgotische Bebauung und die umliegende Landschaft von oben betrachten will, dem sei die Besteigung des neu sanierten Kirchturms aus dem 16. Jhdt. empfohlen. Hier soll nicht nur Maria Theresia auf dem Weg nach Prag abgestiegen sein, sondern auf dem Hauptplatz auch Hitler eine Rede an die ihm treu ergebenen Sudentendeutschen gehalten haben.