Die Truckroad 359 east Texas hinunter nach Corpus Christi zum Golf von Mexiko. Nach so viel dusty miles endlich das Meer. Ganz allmählich verändert sich die Vegetation. Selbst die Mestiquebuschwälder werden grüner und grüner und sind hier fast schon Bäume. Eine Straßensperre, Drogenhunde, Ranchers in Uniform: ziemlich furchteinflößend ihr Gehabe. Die Daumen im Gürtel, stellen sie die Fragen, die ich schon so oft beantwortet habe: Woher ich komme, wohin ich will, was mich zur Reise veranlasst hat, wen ich kenne, wo ich übernachte? Usw. Dann endlich, nachdem ihnen dämmert, dass ich wohl nur ein harmloser Tourist bin, die erlösende Frage, ob mir Texas gefällt. Mein Stehsatz, der durchaus auch ironisch gemeint ist: „It’s the country I dreamed of!“, zaubert ein wohlwollendes Lächeln auf die sonst eingefrorenen Mienen. Ein lässiger Wink und ich darf weiter.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ins Grün mischen sich weiße Tupfer: Baumwolle. Die hier auf riesigen Plantagen geerntete Baumwolle macht fast ein Drittel der Weltproduktion aus. Gleich darauf die ersten Palmen. Ich nehme die Intercostal Road auf die der Küste 180 km lang vorgelagerte Barriereinsel Padre Island. Nichts als Marschland, Watt, wie wir es von der Nordsee kennen, Dünen. Ein Vogelparadies, das langersehnte Meer. Der Himmel ist grau. In der Ferne Bohrinseln. Gleich wird es regnen, nein : Ich bin in den Tropen. Es schüttet. Ich drehe um und halte auf Corpus Christi zu, eine Stadt, die von spanischen Seefahrern am Fronleichnamstag als Zuflucht vor den berüchtigten Stürmen der Golfküste auf dem Boden der Karankawa – Indianer gegründet worden ist. Corpus Christi hat einen großen Hafen, etliche Marinas, Öl, Petrochemie, Navy und lebt auch vom Tourismus.

Der Himmel hat seine Schleusen wieder zugesperrt und ich fahre den Oceandrive entlang auf der Suche nach einer Unterkunft. Der Highway ist palmengesäumt, Villen auf beiden Seiten, pickfeine Hotelanlagen mit Tenniscourts, eines wirbt sogar mit der Aufschrift „Riviera“, was mich ziemlich irritiert, wenn ich an die Ölplattformen da draußen denke, von denen eine den Golf für Jahre hinaus verunreinigt hat. Hier aber ist davon nichts zu bemerken. „Ja, man kann es nicht sehen, weil BP Tonnen von chemischen Lösungsmitteln ins Meer geschüttet hat, um das Öl aufzulösen. Weiter unten in Lousiana, meint Seff Tsaousis, der den Familienbetrieb leitet, snd die Folgen aber sichtbarer.“ Sein Vater ist Grieche und seine Mutter Dänin. Er möchte weg von hier. „Alles hier geht den Bach hinunter seit der Ölkatastrophe. Die Preise für Seafood haben so angezogen, dass es kaum mehr bestellt wird. Für die Restaurantbetriebe, aber auch für die Fischer eine Katastrophe. Aber Lousiana ist mehr betroffen.“

Wieder regnet es so stark, dass an ein Interview mit Oceanview nicht zu denken ist. Ich fahre in die Stadt und gehe ins Museum for science and history. Bin neugierig, wie hier Geschichte aufbereitet wird.