Wer in der Ägäis noch menschenleere Sandstrände sucht und in der Gluthitze ein erfrischendes Bad in einem kobaltblauen und vor allem sauberen Meer nehmen will, der findet beides und mehr in Akámas, der unter Naturschutz gestellten Nordwestspitze Zyperns, deren touristische Erschließung allerdings hauptsächlich durch russische Investoren nicht mehr aufzuhalten ist. Wir hatten Glück und fanden in der Nähe der Aphrodite Bay ein wunderschönes, von einem holländischen Ehepaar betriebenes Gästehaus, das wir leider nicht mehr empfehlen können. Es wechselt nämlich mit Septemberbeginn die Besitzer: Ein älteres Ehepaar aus England, das dort mit noch unbegrenztem Blick auf das Meer seinen Lebensabend verbringen und nicht mehr vermieten will.

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Mit einem Leihwagen unternahmen wir Reisen in das Landesinnere und das nicht allzuweite Tróodos Gebirge, aber auch die Küste entlang bis zur green  line. Dort erinnern Ringe aus Bunkeranlagen und Stacheldraht daran, dass die Insel seit 1974 bis heute in zwei Hälften geteilt ist. Auch wenn die Zyperngriechen die türkische Landnahme als Besatzung verstehen und heute unter Enosis nicht mehr die Einheit mit Griechenland gemeint ist, sondern die Aufhebung der durch UNO-Soldaten bewachten Grenze, haben nach meinem Verständnis nicht nur die englische Kolonialmacht, die von 1878 bis 1959 die Insel zuerst von den Türken gepachtet, 1914 aber annektiert hat, sondern auch der Republikgründer Erzbischof Makarios und seine Regierung mit der Politik der Aushungerung türkischer Enklaven seit 63 erheblich zur Spaltung der Insel beigetragen.
Nun hat die NATO dort einen Stützpunkt und die Türkei ebenfalls ein geostrategisches Interesse an der Aufrechterhaltung dieses bedauerlichen Statusquo. Zypern war auf Grund seiner Lage in der Ägäis seit jeher ein Spielball der dort angesiedelten Großmächte und im Bannkreis des Orients: Griechen, Römer, Venezianer, Kreuzfahrer (Richard Löwenherz hat dort nicht nur geheiratet), Osmanen und Briten hinterließen dort ihre Spuren, von denen Tempelruinen, aufgelassene Siedlungen, die Stadtmauern in Nikosia und die Klöster in dem bis zu 2000 m aufragenden Tróodosgebirge Zeugnis ablegen. Als Erblast der britischen Kolonialmacht bleibt nicht nur der Zypernkonflikt ein politischer Dauerbrenner, auch deren Sprache ist immer noch präsent und in den Schulen obligatorisch. Englisch und zwar ein ausgezeichnetes an Oxfort orientiertes Englisch ist zwar nicht Amtssprache, aber Medium der Kommunikation der auf der Insel Erholung suchenden Touristen. Was Mallorca für die Deutschen, scheint Zypern für die Briten. Die Finanzkrise hat aber mit dem Ausbleiben der zahlungskräftigen Engländer auch den souveränen Inselstaat mittlerweile fest im Griff, da er fast ausschließlich aus den Tourismuseinnahmen lebt und durch diese einseitige Orientierung vor allem durch die unkontrollierte Bauwut zur Zerstörung der Lebensgrundlagen beiträgt.
Auffallend viele Menschen aus südostasiatischen Ländern, die sich als Dienstleister oder ungelernte Beschäftigte in Berufen verdingen, die von Zyperngriechen nicht verrichtet werden. An der Grenze zum türkischen Teil der Insel – dort, wo sich Ziegen und Schlangen gute Nacht sagen -, fanden wir die letzen Köhler: eine vom Aussterben bedrohte Berufsgruppe.
Ohne Mietwagen dürfte das Fortkommen auf der Insel ziemlich beschwerlich und manche Gegenden einfach nicht zu erreichen sein. Die Menschen ausnehmend gastfreundlich. Das Essen in Lokalen mit traditionell zubereiteten Speisen ausgezeichnet. Das Preisniveau entsprechend.