Gezeiten

Ich habe heute das meer gesehen
Nach soviel wüste und zeit
Ich habe gehört, wie die winde wehn
Und auch wie die möwe schreit

Habe den wellen zugeschaut,
Wie sie die felsen umwarben
Das meer wie ein mann, das ufer die braut
Wie sie sich küssten und starben

Kommen und gehen wie ebbe und flut
Das leben hat seine gezeiten
Ich blas in die asche und blas in die glut
Und schau in die endlosen weiten

Ich habe heute das salz geschmeckt,
Ich saß im regen der gischt
Ich glaube, ich habe das leben entdeckt:
Wie ein stern geht es auf, wie ein stern und erlischt

Ich schloss die augen und hörte zu
Dem donner der brandung, dem möwenschrei.
Dem zischen und tosen, dem kukeruku,
War wolke und welle, war möwe und frei.

Hier die spanische Fassung übersetzt von meinem chilenischen Freund Eduardo Nallar:

Hoy he visto el mar

después de tanto desierto y tiempo,

he escuchado al viento

y a la gaviota gritar.

Miro como las olas

cortejan a las rocas.

El mar el hombre y la orilla la mujer

Como ellos morían al besarse.

La llegada y despedida de las mareas

es como la vida que, al igual que el mar,

de las altas y las bajas te hace vivenciar.

Soplo las cenizas, soplo las brasas

y miro en los vastos infinitos.

Hoy he gustado la sal

Sentado en la cresta de la espuma,

he descubierto, creo, el sentido de la vida,

que, como una estrella se abre y se apaga sin cesar.

Cerrando los ojos oígo el trueno del embate

El grito de gaviotas que chillan y braman: kukeruku

Era la nube y la ola,

era la gaviota libre…