P1090302Wer nicht in Kruje war, was weiß der von oder über Albanien? So oder ähnlich wird argumentiert, um die Touristen in die Berge zu locken, die an Ort und Stelle etwas über den ersten organisierten Guerrillakrieg erfahren wollen, der ein Vierteljahrhundert und zweihundert Jahre vor Prinz Eugen der damals größten Streitmacht – immerhin 150000 Osmanen gegen 25000 Skipetaren – unter der Führung des legendären Skanderbeg sein Heimatland vor dem Ansturm der osmanischen Heere gerettet hat.

Im Internet finde ich ein Volkslied, das den Helden Skanderbeg besingt: P1090278P1090275

Krujas Erster, Graf Urana,
sandte Kunde nach Kosova:
Aufmarschiert ist Sultan Murad,
Tag und Nacht steh ich im Kampf!
Kaum hört Skanderbeg die Botschaft,
gürtet er auch schon sein Schwert,
ruft sogleich herbei sein Heer
und rückt blitzesgleich nach Kruja,   shqipe
sich mit Urana zu vereinen.
Skanderbeg führt seine Truppen
über schroffe Bergeshänge,
schroffe Hänge, wilde Schluchten,
bis ganz Krasta ist umzingelt
und er Sultan Murad trifft;
viele tot, zersprengt die andern!
Ach, es klagt der Sultan Murad:
Tot sind alle meine Heere!
Alles tot, alles zu Ende,
und er gibt Befehl zum Rückzug,
gegen Stambul geht der Marsch:
Unmöglich ist’s, Kruja zu nehmen,
so sei es, wie es ist! (mehr davon hier)

Da wir Tirana schon gesehen haben, machen wir uns am vorletzten Tag unserer Abreise auf den Weg dorthin. Der Taxistandplatz ist nicht einfach zu finden. Der Minibus ist schnell voll und wir halten eine endlos lange und ziemlich befahrene Straße auf die massive Bergwand zu, auf der noch Überreste dieser Burg stehen sollen, von der aus Skanderbeg, der übrigens eine Geisel der Hohen Pforte war,  die untereinander zerstrittenen Stämme geeint und deren Verbände für den Kampf gegen die Osmanen geschmiedet hat.

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Wenn es zuerst Olivenhaine sind, die von Eichenwäldern abgelöst werden, sind es am Schluss schon die Korniferen am Fuß des hochaufragenden Felsmassivs, auf dem – von Weitem schon sichtbar – das trutzburghafte, aber der Landschaft angepasste Museum steht, das nach den Plänen der Tochter Enver Hoxhas  erbaut worden und für die Albaner ein nationales Heiligtum ist. Noch immer kann man auf Grund des Geländes gut nachvollziehen, warum es der überlegenen Streitmacht zweier Sultane jahrelang nicht möglich war, die Skipetaren in die Knie zu zwingen.

Schade nur, dass auch hier die Bauwut ausgebrochen ist und inmitten einer historischen Altstadt ohne Rücksicht auf das so Gewachsene 10 stöckige Bettenburgen errichtet werden. P1090261

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Auf dem Basar finden wir neben alten Trachten, -reichbestickte Textilien mit musealem Wert -, und altem Hausratströdel  vor allem Ministatuen der zwei Nationalheiligen “ Skanderbeg und Mutter Theresa“ in allen Größen und Ausführungen.

Von der Burganlage, welcher der großartige Autor Ismail Kadare mit dem Buch „Die Festung“ ein Denkmal gesetzt hat,   ist nicht mehr viel zu sehen. Dafür aber ist die Aussicht großartig.

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Im Museum selbst sind der Familie Kastrioti, aus der Skanderbeg hervorging, alle Räume gewidmet. Portraits, Gemälde von Schlachten, Handgeschriebenes in Vitrinen, und immer wieder Skanderbeg und der schwarzköpfige Doppeladler auf rotem Grund, mit dem er in die Kriege gegen die Osmanen zog.

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Dass die österreichischen Regierungen Schwert und Helm des Nationalhelden nicht schon längst zurückerstattet haben, erfüllt mich mit Scham. Ein Schild weist darauf hin, dass beide von den Albanern wie Reliquien behandelte Rüstungsgegenstände im  Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt und zur Schau gestellt werden, hier aber leider nur Kopien zu betrachten sind. Erzherzog Ferdinand II soll es angeblich im 16.Jhdt.  für Schloss Ambras in Innsbruck erworben haben.

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Gut, dass der Vater, der gerade seinem Sohn erklärt, was auf der Tafel steht, nicht weiß, dass ich ein Österreicher bin.